L’Energia siamo noi – Studio Frauenfeld

Derzeit ist im neuen shed eine grosse, rollbare Bühne zu sehen. Aufnahme- und Tongeräte stehen herum, ein Arbeitstisch und einige selbst gezimmerte Stühle. Alles ist mit Bedacht eingerichtet und inszeniert worden. Dies alles im Rahmen des Projekts «L’Energia siamo noi – Studio Frauenfeld», das die beiden Künstler Christina Hemauer und Roman Keller derzeit am realisieren sind. Das Kunstprojekt setzt sich im Zusammenhang mit der Ausstellung «Moralische Fantasien», die derzeit im Kunstmuseum Thurgau läuft, mit der unserer Energiezukunft auseinander.

Renommierte Gäste

Dank Rebekka Ray und Ueli Vogt, dem Kuratoren-Team des neuen shed im Eisenwerk Frauenfeld, konnte das Künstlerpaar in der Ausstellungshalle eine Art Atelier einrichten, das «Studio Frauenfeld». Der Raum ist für die Ideen von Christina Hemauer und Roman Keller wie geschaffen. Sie verfolgen unter dem Titel «L’Energia siamo noi» gleich zwei Teilprojekte. Einerseits die Durchführung von öffentlichen Studiogesprächen unter dem Motto «Chronologie of Energy- and Art-Related Developments». Eine erste Veranstaltung zum Thema hat bereits stattgefunden. Für die Studiogespräche hat das Künstlerpaar renommierte Gäste gewinnen können. So wird am 3. September um 19.30 Uhr zum Beispiel unter dem Titel «Die Geschichte der Verschwendung» der Lyriker und Ethnologe Jürg von Ins zu Gast sein. Die weiteren Veranstaltungen sind unter www.studiofrauenfeld.info angekündigt. Christina Hemauer und Roman Keller wollen mit der Veranstaltungsreihe der Frage nach gehen, inwiefern sich die Kultur und Kunstgeschichte parallel zur Energiegeschichte entwickelt. Bereits in ihrem Manifest des Postpetrolismus knüpften sie einen Bezug zwischen fossiler Energie und Moderne. Als Grundlage für die aktuelle Untersuchung dient ihnen das energiegeschichtliche Glossar des sechsbändigen, von 400 Expertinnen und Experten aus 40 Ländern verfassten wissenschaftlichen Werks «Encyclopedia of Energy» das alle energierelevanten Geschichtsereignisse seit der Entstehung unseres Planeten zusammenfasst.

Postpetrolistische Internationale

Parallel zu den Studiogesprächen haben Christina Hemauer und Roman Keller ein Chorprojekt ins Leben gerufen. Dafür hat das Künstlerpaar zusammen mit dem Musiker Mathias Vetter die «Postpetrolistische Internationale» komponiert, die den Aufbruch in ein neues Energiezeitalter anstimmt. Auch hier heisst es unter anderem sinngemäss, man müsse nach neuen Verschwendungsmöglichkeiten suchen. Unter der Leitung von Anna Maria Caleb Kunz wird mit unterschiedlichsten Chören geprobt und gesungen. Die Proben sind öffentlich, und jeder, der sich beteiligen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Bereits hat eine öffentliche Chorprobe statt gefunden, zu der sich Sängerinnen und Sänger aus dem ganzen Thurgau – von Islikon bis Kreuzlingen – eingefunden haben. Noch werden Sängerinnen und Sänger gesucht.

Parade als Höhepunkt

Es spricht für den Ideenreichtum des Künstlerpaares, dass die Uraufführung der «Postpetrolistischen Internationale» in einem speziellen Rahmen stattfinden wird, nämlich in Form einer Art Prozession. Am 28. September um 14 Uhr treffen sich diejenigen Sängerinnen und Sänger, die vorher an den öffentlichen Proben mitgewirkt haben, auf dem Parkplatz der Kartause Ittingen in Warth. Von dort findet eine Parade bis zum Eisenwerk statt, während der die «Postpetrolistische Internationale» gesungen wird.

Pascal Spalinger, Habt keine Angst!, Thurgauer Nachrichten 02.09.2008

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Veranstaltungsreihe mit öffentlichen Diskussionen und Chorproben, Parade mit Uraufführung der Postpetrolistischen Internationale

www.studiofrauenfeld.info